Auf dem Flug von Tokio Narita nach Amsterdam hatten wir 13,5 Stunden Zeit, die neue KLM World Business Class ein weiteres Mal zu testen, diesmal in der Boeing 777-200ER
KLM gilt als die älteste Airline der Welt. Der erste kommerzielle Flug von Royal Dutch Airlines fand am 17. Mai 1920 statt. Ein Doppeldecker (Airco DH.16) flog in zweieinhalb Stunden vier Passagiere von London nach Amsterdam, 1924 startete der erste interkontinentale Flug nach Jakarta, das damals noch Batavia hieß. 99 Jahre später begann KLM, ihre Business-Class-Kabinen grundlegend zu erneuern. Erstmals setzte man auf Suiten mit verschließbaren Leichtbau-Türen und eine 1-2-1-Konfiguration.
Zunächst wurden die neuen Sitze des Herstellers Jamco in KLMs 27 Dreamliner 787-9 und 787-10 verbaut (großes Foto ganz oben). Für den Einsatz in der Triple Seven wurden die nur 85 Kilogramm Kilo leichten Sitze (üblich sind meist 100 bis 110 Kilo) in einigen Punkten modifiziert und optimiert. Die erste 777-300 mit neuer Kabine war übrigens die Orange Pride (Bild unten).

Nun zum 13,5-Stunden-Test der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER: Dieses Modell galt bei Inbetriebnahme Anfang Mitte der 1990er als das größte zweistrahlige Flugzeug der Welt und das schnellste. Die Maschine komme dank der 175.000 PS starken zwei Triebwerke in sechs Sekunden von null auf 60 mph (= 96 km/h), verkündete man stolz.

Die Maschine bietet Platz für 288 Passagiere. Im Lauf des Jahres 2024 hat KLM Gas gegeben und an Bord aller 31 Boeing-Maschinen des Typ 777 die neue World Business Class eingeführt.

Sitzprobe in der KLM World Business Class
Meine Suite 3 D bietet wie die 34 anderen versetzt in 1-2-1 angeordneten Business-Sitze (dahinter kommen 24 Premium-Comfort-Plätze mit 97 Zentimetern Sitzabstand) viel Privatsphäre durch hohe Wände, eine vorziehbare Sichtblende zum Nebenmann und eine Schiebetüre zum Gang.

Die Trennwände der Sitze in der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER sind so hoch, dass man vom Vordermann maximal den Scheitel sieht. Durch die 1-2-1-Anordnung hat jeder Gast direkten Zugang zum Gang.


Natürlich lässt sich der moderne Venture-Sitz des japanischen Herstellers Jamco in ein komfortables 198 Zentimeter langes, flaches Bett umwandeln. Der Sitz hat eine bequeme, aber nicht opulente Breite von 53 Zentimetern und ein großzügig dimensioniertes „foot cubby“, in dem man nirgendwo anstößt.
Zur besseren Einordnung der Sitzbreite in der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER: Singapore Airlines bietet im A350 rund 71 Zentimeter, ANA in der Boeing 777-300ER 64 Zentimeter und EVA Air in der 787-9 Business-Class-Sitze von 58 Zentimetern Breite.

Und der Komfort?
Es gibt in der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER Kissen und eine warme Decke, aber keine Matratzenauflage wie beim Schwesterunternehmen Air France (Sofitel MY BED) oder in der Allegris Business von Lufthansa (orthopädisch optimiert mit einer „Shoulder-Sink-In“-Funktion für Seitenschläfer).
Klasse: Die komplett versenkbare Armstütze auf einer Sitzseite sorgt heruntergefahren für mehr Freiraum beim Schlafen. Ausgefahren hat sie die Höhe der fest verbauten Armlehne auf der anderen Seite. Sehr praktisch ist die Becher-Mulde auf der großen Ablagefläche.
Die Massagefunktion ist eine Wohltat, nicht nur nach den Nächten auf harten Futons, die ich fast zwei Stunden aktiviert hatte. Angenehm sind auch die justierbare Lendenwirbelstütze und die höhenverstellbare Kopfstütze. Bei Start und Landung lautet der „Dresscode“ Dreipunktgurt.
Im Gepäckfach finden Kabinentrolley und Rucksack bestens Platz, wobei ich in dieser Klasse als Aufgabegepäck zwei Koffer à 32 Kilo sowie eine kleine Tasche und zwei Handgepäckstücke mit einem Gesamtgewicht von maximal 18 Kilo mitnehmen dürfte.
Sofort positiv fällt auf, dass der Sitz enorm viel günstig platzierten Stauraum hat, kabelloses Laden anbietet und dazu Steckdosen (Steckdose) für USB-C (USB C) und USB-A (USB A).
Nach fünf Stunden Flug spüre ich allerdings die im Vergleich zu A350 und Boeing 787 deutlich geringere Luftfeuchtigkeit der Kabinenluft
Entertainment in der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER
Die Verbindung mit dem Bord-Wifi geht schnell und problemlos. Kostenlos ist nur der Message Pass für Whatsapp und iMessage. Der WiFI Pass für Social Media und Surfen im Internet kostet Gäste der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER für den gesamten Flug 29 Euro. Da zeigen sich andere Airlines wie EVA Air, Qatar Airways oder Emirates freigiebiger gegenüber Businesskunden.
Der Noise-Cancelling-Kopfhörer bietet einen guten Klang und filtert die Nebengeräusche und das Motorendröhnen nur mittelprächtig heraus. Das Filmangebot ist quantitativ und qualitativ gutes Mittelmaß.
Außergewöhnlich ist das Amenity Bag, das KLM zusammen mit der Amsterdamer Lifestyle-Brand Marie-Stella-Maris und Envisions entworfen. Es soll die „wechselnden Wettermuster während des Flugs zu verschiedenen Tageszeiten“ widerspiegeln. Darin sind (fehlt) Schlafmaske, Socken, Minikugelschreiber sowie Gesichtscreme und Lippenstift von Marie Stella Maris.

Und, schmeckt’s?
Vor dem Essen gibt es für die Gäste der KLM World Business Class der Boeing 777-200ER als Aperitif KLMs Signature Cocktail „The Very High Fashioned“, eine Idee der niederländischen Destillerie Lucas Bols. Gemixed aus Barrel Aged Genever, Curacao Dry Orange und Angostura Bitter.
Zur Vorspeise entscheide ich mich für die japanische Version: Geräucherter Lachs mit Yuzu, marinierte Garnelen, Quinoa-Salat. Schmeckt sehr gut und wird sehr ästhetisch auf Porzellan serviert. Alternativ hätte es cremige Kürbissuppe mit etwas Kardamom gegeben.
Zur Vorspeise gibt es Mesclun-Salat mit Mais und roter Paprika, serviert mit Yuzu-Dressing. Was der Parmesan dabei soll, bleibt mir ein Rätsel.
Als Hauptgericht stehen Indisches Paneer-Curry mit Kartoffel-Masala und Jasminreis, poschierter Rotbarsch „Acqua Pazza“ mit Garnelen, Brokkoli, Kartoffel- und Bohneneintopf oder eine Selektion japanischer Spezialitäten wie geschmortes Schweinefleisch (jibu-ni), gegrillter Kabeljau (negimiso-yaki) sowie gedämpftes Ei mit Krabbe und dunkler Reis nebst (etwas misslungener) Misosuppe zur Auswahl.

Den süßen Abschluss bilden Petit Four mit Ahornsirup, Matcha-Macaron sowie Passionsfrucht-Mousse mit Aprikosensoße.
Eineinhalb Stunde vor der Landung in Amsterdam wird das „Light Meal“ serviert, für mich als Bento-Box mit Roastbeef, japanischem Omelett, geschmortem Tofu und Hering, Hühnchen mit Erbsen und Ingwer. Das Dessert? Erdbeer-Matcha-Kuchen.
Prost! Auf die KLM World Business Class
Der weiße Aaldering Estate Sauvignon Blanc 2025 aus Stellenbosch war ein wunderbarer Begleiter. Niederländer führen das Weingut, das neben 14 anderen Weingütern in Südafrika mit dem Label Enviro für nachhaltigen Weinbau und Naturschutz ausgezeichnet wurde. Der Weißwein beflügelt mit kräftigen Grapefruit-Noten und dezenter Säure.
Rotwein-Freunde haben die Wahl zwischen einem Bodem Bodegas Oxte Garnacha 2023 und einem Ribera Del Duero Familia Fernández Condado de Haza Crianza 2023.

Die Lounge
Die Narita Premier Lounge im Terminal 1 für den Stopover vor dem Abflug war nur wenige Schritte von Gate 14 und 15 entfernt. Nur einige der rund 140 Sitzplätze waren an diesem Mittag besetzt, ws mich überraschte. Das Ganze wirkt sehr großzügig und luftig, und dank der langen Fensterfront sehr hell. Stilprägend sind Holzelemente und traditionelle Kumiko-Gitter.
Die Dusche der Lounge war lange Zeit vakant. Gute Küche, schöne Auswahl an ordfentlichen Sake, Wein und Bier. Die Jura-Maschine liefert guten Espresso. Viele Steckdosen und schnelles WiFi.
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