Der Südwesten von Western Australia hält zwischen dem Hafenort Augusta und dem Bergzug Porongurup im Landesinnern tolle Überraschungen für Naturfreunde, Wal-Liebhaber und Riesling-Fans bereit. Zeit für Roadtripping am „South West Edge“
Was für ein Glück! Die Walsaison in der Flinders Bay hat erst vor einigen Tagen begonnen. Dennoch zeigen sich während der zweieinhalb Stunden an Bord des Katamarans „Alison Maree“ über ein Dutzend Buckelwale.
Die Tiere pusten munter ihre Fontänen in die Luft, machen Fluke-up-Dives und legen den einen oder anderen Sprung hin. „Sie breachen, um mit weit entfernten Artgenossen zu kommunizieren, aber sicher manchmal auch nur zum Spaß“, so der Marinebiologe an Bord.

Dann verschwinden schlagartig alle, als wollten sie uns, die wir ständig von Backbord nach Steuerbord und zurück stolpern, foppen. Sieht einer der Spotter einen Wal, dreht sich das Boot dank Seitenstrahlruder auf der Stelle, damit alle von einer Bordseite den bestmöglichen Blick haben.
„Humpbacks bleiben bis zu vierzig Minuten unter Wasser, ohne Luft zu holen. Ihr braucht Geduld, Mates“, tröstet einer der Guides. Und tatsächlich, nach zwanzig Minuten schwimmt ein jugendlicher Buckelwal ganz nah am Boot vorbei und streift es behutsam mit seinem Rumpf, bevor er abtaucht. Nach und nach zeigen sich auch die anderen Wale wieder.
Glatt oder Buckel?
Vor der wochenlangen Reise nach Norden bis zum Camden Sound an der Nordspitze von Western Australia fressen sich die Wale in der Flinders Bay nochmals satt. In den tropisch warmen Gewässern nördlich von Broome bringen sie ihre bis zu 2.000 Kilo schweren Kälber zur Welt. Die legen dank sehr nährstoffreicher Muttermilch täglich gut 50 Kilo zu.

Sind die Kälber groß genug, treten die Herden die Rückreise nach Süden an, pausieren im Herbst in der Geographe Bay und passieren Cape Naturaliste, bevor sie sich in der Antarktis wieder reichlich Speck anfuttern, erzählt der Guide. „Dort verputzen sie pro Tag um die eineinhalb Tonnen Futter, vor allem Krill.“
In der Flinders Bay sind auch Südliche Glattwale zu sehen. Sie nutzen die Bucht als Aufzuchtgebiet für ihre Kälber. Südliche Glattwale sind große, langsame Bartenwale mit massiven Kopfschwielen – und ohne Rückenflosse. Sie wiegen bei bis zu 17 Metern Länge bis zu 80 Tonnen und leben küstennah.
Der Kopf der Glattwale ist verglichen mit anderen Walarten außergewöhnlich groß. Fun Fact: Männliche Tiere haben mit bis zu 500 Kilo pro Stück die größten Hoden im ganzen Tierreich. Zwei Atemlöcher erzeugen die typische, bis zu fünf Meter hohe V-förmige Atemfontäne. Nach fast vollständiger Ausrottung durch den Walfang erholen sich die Bestände langsam.
Brad und sein Wein aus dem Meer
Nicht nur Wale fühlen sich in der Flinders Bay im äußersten Südwesten von Western Australia wohl, sondern auch Abalone. Das Weiße Gold der Ozeane reift dort zu Millionen heran, nachhaltig und umweltschonend gezüchtet.

Brad Adams, der Besitzer von SubSea Estate, versenkte als Riff-Ersatz fast 10.000 Betonblöcke und verankerte sie auf dem Meeresgrund vor Augusta. Diese künstlichen Riffe und das viele Seegras schaffen einen idealen Lebensraum für Abalone, von denen pro Jahr zwei Millionen Stück geerntet werden.
Brad macht den einzigen Unterwasser-Wein Australiens: „Fertiger Wein kommt in die 260 Liter fassenden Vats, die speziell für uns gefertigt werden. Die verankern wir mit Ketten am Meeresgrund. Dann kommt Hefe dazu. Die zweite Fermentierung dauert sechs Monate. Das Wasser in 18 Meter Tiefe hat mit 16 Grad die ideale Temperatur.“

Brad schenkt mir das erste Glas zum Verkosten ein: „Die wilde See mit hohen Wellen sorgt für ständiges Rühren und Mischen. Der Druck in dieser Tiefe ist dreimal so hoch wie an Land, deshalb enthält unser Ocean Wine viel Kohlendioxid, fast wie Sekt.“

Brad findet, dass diese Methode einen ganz anderen Wein entstehen lasse: „Der ist wie junger Wein auf Steroiden.“ Jetzt aber ist Zeit fürs Verkosten … Der Wein duftet und schmeckt nach tropischen Früchten, Limette und Zeste. Spannend ist die leicht salzige Note. Und er prickelt.
Das alles ist aber kein bloßer Gimmick. Brads Wein wurde unter die 20 besten Weißweine Australiens gewählt. Die Flasche „Pure Ocean 100 %“ kostet 120 Dollar, 40 Dollar kostet die Version „Land & Ocean“.
Busselton Jetty: Ikone von Western Australia
Am Vortag stand ich gut 225 Kilometer südlich von Perth auf der drittlängsten Seebrücke der Welt, Busselton Jetty, und hielt mit dem Fernglas Ausschau nach Walen. Vergebens. Dafür sei es Ende Mai noch zu früh, winkte die Dame am Ticketschalter ab.
Erst von Ende August bis November ziehen über 30.000 Buckelwale mit ihren Kälbern auf dem Weg zu den Fressgründen in der Antarktis die Küste von Western Australia entlang und durch die Geographe Bay. Die Bucht ist auch eine Glattwal-Kinderstube. In den Gewässern tummeln sich zudem Blauwale und Minkwale.

Der Busselton Jetty ragt 1.841 Meter weit in die Geographe Bay hinaus. „Öfter mal schwimmt ein Wal ganz nah heran und reibt sich an den Stahlträgern die Seepocken von der Pelle“, erzählte Mike von Shelter Brewing Co., die neben der Seebrücke zu schmackhaften Craftbier-Kreationen wie Red Ale oder Hazy IPA lädt.

Cape Naturaliste
Nach Jetty, Bier und einem wunderbaren Fish-Burger war auf der Halbinsel von Naturaliste Beach-Hopping angesagt. Eagle Bay Beach gefiel mir besser als der etwas gehypte Meelup Beach oder Bunker Bay Beach.

Wer genügend Zeit hat, kombiniert Küstenwandern mit Whale-Watching. Der 130 Kilometer lange Küstenwanderweg Cape to Cape Track verbindet den windumtosten Leuchtturm von Cape Naturaliste mit dem höchsten Leuchtturm des Landes am Cape Leeuwin.
Das exzellente „Smiths Beach Resort“ bei Yallingup empfiehlt sich als Basislager. Die Gäste werden an den Enden der Etappen abgeholt und am folgenden Morgen, bestens erholt, dort wieder abgesetzt.

„Die beste Reisezeit für diese Küstenwanderung“, so Melissa Italiano, Marketing-Managerin des Resorts, „ist September bis November. Dann sieht man von den Klippen und Steilufern aus Buckelwale und Südliche Glattwale sehr nah an der Küste vorbeiziehen.“
Wer nicht so gern so lang wandert, besucht erst das Cape Naturaliste Lighthouse mit seinem netten Museum und wandert in rund 25 Minuten – teils auf Bohlenwegen – zum Wilanup Lookout und zum gleichnamigen Strand.

Trüffel aus Manjimup: Tolle Knolle
Nach der fabelhaften Wal-Show in der Flinders Bay geht es auf schmalen, kurvigen Straßen durch hügeliges Farmland und alte Karri-Wälder, eine für Western Australia und sein sogenanntes South West Edge typische Szenerie, gut 150 Kilometer Richtung Osten.
Dort treffe ich Darien Cheffers, Leiter der Trüffelfarm „Truffle Hill“ bei Manjimup. Hunderte kleine Eichen graben in Reih und Glied ihre Wurzeln in den sogenannten Karri Loam, den extrem nährstoffreichen, rotlehmigen Boden, in dem die majestätischen Karri-Bäume am besten gedeihen.

Diese riesige Eukalyptusart prägt die Landschaft zwischen Denmark, Pemberton und Manjimup, aber auch an der südlichen Westküste von Western Australia wie im Boranup Forest bei Margaret River.
Diese Vorliebe für den Lehm teilen die Karri-Bäume mit Trüffel. Tonnenweise Schwarzen Trüffel holt Dariens Team im Jahr aus dem Wurzelbereich der Eichen.

„Hier und auf unserer Oak Valley Farm ernten wir auf über siebzig Hektar zwanzig Tonnen Trüffel pro Jahr. Sortiert und gewaschen sind die per Luftfracht binnen 24 Stunden bei Spitzenköchen weltweit. Wir waren 2006 die Ersten im Land, die Trüffel exportierten“, erzählt Darien.
Um den Boden dürften die Manjimup-Farmer von der spanischen Konkurrenz beneidet werden: „Karri-Lehm ermöglicht bis zu 350 Kilo Ernte pro Jahr und Hektar, während die Kollegen in Spanien auf nicht mehr als siebzig Kilo kommen.“
Sind die mit Trüffelsporen geimpften Eichen vier Jahre nach der Pflanzung so weit, produzieren sie gut dreizehn Jahre lang Trüffel. „Dann ist auf einen Schlag Schluss damit. Wir wissen aber noch nicht, warum“, so Darien.
Geheimtipp: Riesling aus den Porongurups
Kein Karri-Lehm, sondern uralter Granit bildet die Grundlage der Porongurup-Winzer, die mit exzellenten Riesling-Weinen überraschen. Der Bergzug in der Region Great Southern ist einer der ältesten weltweit: Über 1,2 Milliarden Jahre alt ist der hiesige Granit.

Das nährstoffarme, steinige Terroir der Porongurups mit starker Drainage zwingt die Weinstöcke, die Wurzeln tief in den Boden zu treiben. Das schafft Weine mit lebendiger Säure, klarer Frucht und stark mineralischem Charakter.
Das kühle, meergeprägte Klima und die salzhaltige Luft dieser Ecke von Western Australia sind ideal für Riesling, Grünen Veltliner und Pinot Noir. Porongurup dürfte eine der für Europäer unbekanntesten Weinregionen der Welt sein.
Die 18 Hektar Riesling des Weinguts „Shepherd’s Hut“ erstrecken sich direkt vor dem Haus von Laura Wishart, die auch noch Pinot Noir und Shiraz anbaut. Lauras Eltern Phil und Cathy starteten 1996 mit dem Weinbau, 2020 übernahm Laura den Betrieb.

Die Verkostung ihrer Weine findet im privaten, über 170 Jahre alten Wohnhaus statt. Das kommt mit Sandsteinfassade, überdachter Veranda und hohen Fenstern filmreif daher. Laura lacht: „Ich habe viele Fehler gemacht und mache immer noch welche. Bei Fragen aber kann ich mich immer an meinen Nachbarn Rob Diletti wenden.“
Castle Rock Estate: Die Pioniere
Der renommierte, preisgekrönte Winemaker Rob Diletti leitet das 55 Hektar große „Castle Rock Estate“, das nur zweieinhalb Kilometer Luftlinie vom berühmten, schwindelerregenden Granite Skywalk liegt.
Gegründet wurde das Weingut 1983 von seinem Vater Angelo und seiner Mutter Wendy. Angelo, ausgebildeter Krankenpfleger, war einer der Ersten, die im Porongurup Riesling pflanzten. Wir verkosten einige von Robs Rieslingen.
Der Signature-Wein der Dilettis ist der „Estate Riesling“. Frisch und spritzig und mit schönen Zitrus- und Blütennoten kommt der junge 2025er daher.
„Unser Estate Riesling lässt sich wegen der Säure gut und gern 20 Jahre lagern“, so Angelo, der die Verkostung macht. Der Estate vereint die Qualitäten von sechs Riesling-Parzellen, das schafft einen vielschichtigen, komplexen Wein.

Verarbeitet werde nur Freilaufmost, was dem Wein seine Eleganz und Finesse verleihe, da er weniger Gerb- und Bitterstoffe aus den Beerenhäuten enthalte. Eine Vergärung in Edelstahltanks mit minimalen kellertechnischen Eingriffen lässt der Frucht und der Qualität des Weinbergs Raum, sich zu entfalten.
Der Skywalk Riesling ist vollmundig und geschmacksintensiv. Der filigranere A&W Riesling wurde mit Teilen des Sediments fermentiert und ist mein klarer Favorit. Die dafür handgelesenen Trauben stammen aus den ältesten Rebreihen, die schon über 40 Jahre alt sind.
Der A&W hat feine Aromen, ausgewogene Säure und eine herb-frische Zitrusnote. Verwendet wird auch für diesen Wein nur der sogenannte Freilaufmost, der durch das Eigengewicht der Trauben entsteht.
Der letzte Kandidat zur Degustation ist der im Fass und mit viel Hefekontakt gereifte Diletti Riesling. Er spielt gekonnt mit einer leichten Honignote, etwas grünem Apfel und einem leicht salzigen Tremolo im Abgang. Meinen glücklichen Seufzer quittiert Angelo mit mildem Lächeln. Das kennt er schon …

Info Western Australia
Anreise
Gute Abflugzeiten und eine Gesamtreisedauer von nur 18 bis 20 Stunden (inklusive Umstieg in Singapur Changi) mit Singapore Airlines. Tickets ab 1.100 Euro.
singaporeair.com | 👉 Airline-Review Singapore Airlines Premium Economy
Hotel-Tipp: Smiths Beach Resort
Luxuriöse Anlage zwischen Cape Naturaliste und Cape Leeuwin in der weltbekannten Weinregion Margaret River. Minimalistische Strandvillen und Apartments mit vollverglasten Fronten. Schöner Pool. Zwei Gehminuten zum langen Strand. Sonnenuntergänge sind ganz große Oper. Von Mitte August bis November sieht man vom Balkon den vorbeiziehenden Walen zu. Angeschlossen ist das „Lamont’s Smiths Beach“ mit exzellenter Küche, Gourmet Deli und Weingeschäft.
smithsbeachresort.com.au

Nützliche Websites für deine Reiseplanung
Offizielle Website von Tourism Western Australia: westernaustralia.com/de/home
Walbeobachtungstouren in Flinders Bay: naturalistecharters.com.au
Cape to Cape Track: exploreparks.dbca.wa.gov.au

Q&A: South West Edge – Western Australia für Eilige
Wann ist Walsaison?
Buckelwale sieht man am besten Ende August bis November in der Geographe Bay und ab Anfang Juni in der Flinders Bay bei Augusta. Dort leben auch Südliche Glattwale (bis zu 80 Tonnen schwer).
Was ist Ocean Wine? Wie wird er gemacht?
Einziger Unterwasser-Wein Australiens, produziert von Brad Adams‘ SubSea Estate bei Augusta. 6 Monate Zweitfermentierung in 18 Meter Tiefe bei 16 Grad Wassertemperatur
Was hat es mit dem Trüffel auf sich?
Die Farm „Truffle Hill“ bei Manjimup erntet 20 Tonnen Schwarze Trüffeln pro Jahr für die Spitzenköche dieser Welt
Ist Porongurup ein Tipp für Weinfreunde?
Über 1,2 Milliarden Jahre alter Granit bildet ein Terroir, das Rieslinge mit lebendiger Säure, klarer Frucht und mineralischem Charakter schafft. Meine Tipps: „Castle Rock Estate“(55 ha, seit 1983) und „Shepherd’s Hut“ (18 ha Riesling, Familienbetrieb seit 1996)
Alle Fotos mit © TWA wurden von Tourism Western Australia zur Verfügung gestellt
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