Die Hauptstadt von Western Australia ist die abgelegenste Millionenstadt der Welt. Und eine der reichsten, dank milliardenschwerer Bergbaukonzerne. Hier sind meine Tipps für die sehr lässige Stadt zwischen Swan River und dem Indischen Ozean
Boorloo nennen die indigenen Noongar jenen Ort, der 1829 durch die Briten als Swan River Colony besiedelt und später nach der schottischen Stadt Perth benannt wurde. Die indigene Noongar Nation lebte auf diesem Land schon seit über 45.000 Jahren, als die Weißen landeten und es ihnen raubten. Zu diesem Volk gehört auch Andrea Jacobs von In Culture Tours.

Andrea führt mich im Rahmen einer Walking Tour über den Mount Eliza, der in der indigenen Sprache „Kaarta Gar-Up“ (Feuerberg) heißt. Er ist Teil des Kings Park, mit über 400 Hektar einer der größten innerstädtischen Parks der Welt. Der Kaarta Gar-Up bietet einen weiten Blick über Perths Skyline, Elizabeth Quay und den Swan River, der sich kurz vor der Mündung ins Meer zu einem bis zu fünf Kilometer breiten See weitet.
Durch den Kings Park
Derbarl Yerrigan nennen die indigenen Whadjuk-Noongar den Swan River, und der gehört zu den spannenden Tipps für Perth. Um den Fluss ranken sich jahrtausendealte Erzählungen über die Schöpfungsfigur Wagyl. Diese im Wasser lebende Regenbogenschlange habe während der Traumzeit durch die Bewegungen ihres Leibs den Derbarl Yerrigan und alle anderen Flüsse und Seen ihres Landes erschaffen.

Kaarta Gar-Up gilt in der Noongar-Mythologie als letzter Rastplatz der riesigen Regenbogenschlange auf dem Schöpfungsweg, bevor sie im Boden verschwand. Andrea erzählt: „Dieser Berg war auch wichtig als birthing place, und das über Hunderte, ja Tausende von Generationen. Wegen der erhöhten Lage, seiner Kraft und auch wegen der Quelle Goonininup dort drüben.“
Andrea zeigt im Western Australian Botanic Garden viele Pflanzen und erklärt deren enorme Heilkräfte. „Wir Noongar kennen sechs Jahreszeiten, der Herbst ist geprägt durch rote Blüten. Manche Bäume wie der Paperbark-Baum sind Alleskönner. Sie wirken entzündungshemmend und antiseptisch sowie gegen Kopf- und Halsschmerzen. Yowarl heißt er in unserer Sprache, es ist eine Art Teebaum.“
Radtour am Swan River
Zeit, den Swan River näher zu erkunden. Ausgangspunkt des Swan River Loop Cycle Trail ist Elizabeth Quay. Die gleichnamige Brücke für Fußgänger und Radfahrer führt in kühn geschwungenem Bogen übers Wasser.

Dort steht eine markante, silbern glänzende Alu-Skulptur. „First Contact“ der indigenen Noongar-Künstlerin Laurel Nannup, ein Riesenvogel, spielt auf die erste Sichtung von Schiffen europäischer Siedler durch die Noongar an.

Die indigenen Bewohner Westaustraliens hielten den Zweimaster „Amity“, der im Dezember 1826 mit 23 Sträflingen an Bord im heutigen Albany an der Südküste anlegte, und andere Siedlerschiffe für riesige, weißgeflügelte Vögel und die zurückkehrenden Geister ihrer Vorfahren.
Weiter geht es mit Tipps für Perth. 20 entspannte Radminuten flussaufwärts wartet am Swan River eine Architektur-Ikone. Die Boorloo Bridge wurde Ende 2024 eröffnet und besteht eigentlich aus zwei Brücken diesseits und jenseits von Heirisson Island. Auf der Weiterfahrt am Südufer des Swan River wird klar, wo das Geld wohnt. Die Villen in der ersten Reihe sind prächtige, teils protzig-bunkerhafte Anwesen.
Dagegen geben sich die von großen Gärten umgebenen Millionärsanwesen in Peppermint Grove, 15 Kilometer weiter Richtung Ozean, fast schon dezent. Neben aufwendig restaurierten Anwesen im Federation-Stil wie The Esplanade Estate stehen dort moderne Neo-Bauhaus-Würfel und Neubauten im überfrachteten neo-toskanischen Stil. Dasselbe Bild bietet sich jenseits der National Route 5, in Cottesloe.
Ab an den Strand: Cott sei Dank!
Der knapp eineinhalb Kilometer lange Cottesloe Beach aka Cott – Australier lieben Abkürzungen – ist einer von 19 Stränden der City am Indischen Ozean und einer der entspannendsten Tipps für Perth. Er liegt knapp 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Auf dem Radweg entlang der Gleise der Fremantle Line erreicht man ihn bequem in knapp 40 Minuten.

Der Cott ist der beliebteste Badestrand der Einheimischen. Zum Schnorcheln eignen sich am besten South Cottesloe mit seinen Riffen und Kalksteinufern. Will man mehr von der sogenannten Sunset Coast erleben, rollt man auf dem gut ausgebauten, stellenweise etwas schmalen Rad- und Wanderweg von Cottesloe 25 Kilometer nordwärts über Scarborough mit schönem Sandstrand bis Hillarys.
Whale Watching vom Stadtstrand aus
Überraschend: „An der Küste hier und vor Rottnest Island kannst du Buckelwale beobachten“, erzählt die Bedienung im Strandlokal „Magic Apple“, das wegen knackiger Bowls und des Meerblicks empfehlenswert ist.

Von September bis Mitte November ziehen die Buckelwale mit ihrem Nachwuchs aus den warmen Gewässern im Norden zurück nach Süden Richtung Antarktis, um sich dort vollzufressen. Die Walbeobachtungstouren, die im Hafen von Hillarys starten, bieten ganz selbstbewusst eine „100 % sighting guarantee“. Whale Watching ist einer unserer Tipps für Perth, die kein Besucher der Stadt verpassen sollte, der zu diesem Zeitpunkt hier unterwegs ist.

Gut 20 Kilometer vor Cottesloe liegt Rottnest Island. Hauptattraktion sind die dort lebenden Quokkas. Und bildschöne Buchten, alles eine 30-minütige Fährfahrt von Fremantle entfernt.
Wer sportlich ist und keine Furcht vor Haien und Quallen kennt, nimmt am jährlichen South 32 Rottnest Channel Swim teil. Ausdauernde Hobbyschwimmer brauchen für die 19,7 Kilometer übers offene Meer rund sieben Stunden, die Siegerzeiten liegen bei drei Stunden und 48 Minuten respektive vier Stunden und 11 Minuten.
Fremantle aka Freo
Fremantle ist auf jeden Fall einen Abstecher wert. Die Stadt gehört zu unseren Top Five Tipps für Perth. 45 Bahnminuten von Downtown warten historische Straßenzüge auf architekturaffine Stadtbummler. Außerdem gibt es einen riesigen Ex-Knast, einen lebhaften Markt und den hübschen Fremantle Fishing Boat Harbour mit der Statue des in Fremantle aufgewachsenen AC/DC-Frontmanns Bon Scott.

Freo, wie die Locals die Hafenstadt nennen, hat eine bewegte Geschichte: Früher prägten Sträflinge, Buschräuber, Gefängnisausbrecher und Seeleute die Gegend. Ein paar Gehminuten vom alten Gefängnis und den Fremantle Markets beginnt die High Street.

Besonders sehenswert sind die Fassaden von „The P&O Hotel“, „Cleopatra Hotel“ und dem ikonischen „National Hotel“ an der Ecke High und Market Street. Die frühere Bank ist ein gutes Beispiel für den Federation Free Style des späten 19. Jahrhunderts: verspielte Giebel, Stuck, Buntglasfenster und Schmiedekunst an den Balustraden.
1868 als Geschäftshaus errichtet, zog Anfang der 1880er die National Bank in das Gebäude ein. In den darauffolgenden hundert Jahren wurde es grundlegend umgebaut und zweimal von Bränden verwüstet. Vinyl- und Vintage-Fans finden in der High Street den gut sortierten „The Record Finder“.
Streetart: Die buntesten Tipps für Perth
Zurück in Perth ist Bunt angesagt, Zeit für einen Streetart Walk. Die schönsten Arbeiten sieht man in den Laneways rund um die Murray Street Mall, in der Grand Lane, Prince Lane und Howard Lane sowie in der Wolf Lane.

Unter dem Namen „Forgotten Spaces“ läuft das Projekt, das mit öffentlicher Förderung regelmäßig neue Murals lokaler und internationaler Künstler an die Wände dieser Seiten- und Hintergassen bringt, in denen sich oft Fußgänger, Lieferanten und Müllcontainer den wenigen Platz teilen.

In Northbridge sieht man aber auch jenseits dieser Hinterhof-Galerien mal bessere, mal schwächere Arbeiten, in der Nicks Lane etwa oder rund um die State Library of Western Australia.


Wem das zu viel Gerenne ist, der bucht sich im Hotel „The Adnate Perth – Art Series“ ein. Dessen Design ist inspiriert vom weltbekannten australischen Street-Art-Künstler Matt Adnate, der die Westfassade des Hauses in der Hay Street mit einem der weltweit höchsten „Mega Murals“, das sich über 27 Etagen erstreckt, sowie die Tiefgarageneinfahrt gestaltet hat. Streetart in da house, sozusagen.

Infos und persönliche Tipps für Perth
Anreise
Gute Abflugzeiten und eine Gesamtreisedauer von nur 18 bis 20 Stunden (inklusive Umstieg in Singapur Changi) mit Singapore Airlines. Tickets ab 1.100 Euro.
singaporeair.com
Hier geht’s zum großen Review von Singapore Airlines‘ Premium Economy Class
Vor Ort unterwegs
Perth erkundet man entspannt zu Fuß oder per Rad. Wenn es schneller gehen soll, wartet ein dichtes Busnetz mit hoher Taktung. Kostenlos sind die Busfahrten innerhalb der FTZ (Free Transit Zone), das Transperth DayRider-Ticket zu 7 Dollar ist super günstig. Manche Hotels wie das Alex stellen ihren Gästen kostenlose Leihräder zur Verfügung.
transperth.wa.gov.au
Hotel-Tipps, alle getestet
Alex Hotel
Nur wenige Schritte von der William Street, der leicht rotlichternden James Street und dem Yagan Square mit dem Hauptbahnhof. Das schmucke Boutique Hotel im Herzen des Szene-Viertels Northbridge hat 74 stylishe Zimmer, eine coole Rooftop Terrace und eine lässige Lobby Bar am Gehsteig. Kostenlose Liehräder für die Gäste. DZ/F ab 135 Euro.
alexhotel.com.au
The Adnate Perth – Art Series
250 Zimmer. Der bekannte australische Street-Art-Künstler Matt Adnate hat die Westfassade des Hauses gestaltet – mit einem der weltweit höchsten „Mega Murals“, das sich über 27 Etagen erstreckt, sowie die Ein- und Ausfahrten zur Tiefgarage und das Treppenhaus. Außerdem sind im ganzen Haus 650 Giclée-Drucke seiner bekanntesten Werke zu sehen. Kleiner Alfresco-Pool, großes Gym. DZ/F ab 150 Euro.
adnate.com.au
Garde Hotel
Das angenehme, stilvolle Hotel im Herzen von Fremantle bietet neben den modernen und großen Zimmern im Neubau auch die Warders Cottages, kleine, historische Wärterhäuschen des Gefängnisses zur Übernachtung. Angeschlossen sind zwei Restaurants: moderne asiatische Küche genießt man im „Emily Taylor“, japanisch-koreanisch Inspiriertes im „Anglesea“. DZ/F ab 125 Euro
gardehotel.com.au
Nützliche Websites
Whale Watching Perth whalewatchingperth.com
Noongar Cultural Tour im Kings Park: inculturetours.com.au
Offizielle Website von Tourism Western Australia: westernaustralia.com/de
Offizielle Tourismus-Website von Perth: destinationperth.com.au
Großes Bild ganz oben: © Tourism Western Australia

Das Wichtigste auf einen Blick: 7 Fragen zu Perth
1. Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling (September–November) und Herbst (März–Mai) sind angenehm warm. Highlight im Frühling: Whale Watching mit Buckelwalen vor der Küste.
2. Was macht den Kings Park besonders?
Mit über 400 Hektar zählt er zu den größten innerstädtischen Parks weltweit. Der Mount Eliza bietet grandiose Ausblicke auf Skyline und Swan River.
3. Welche Strände muss ich erleben?
Cottesloe Beach, der beliebteste Stadtstrand. South Cottesloe lockt Schnorchler. Die Sunset Coast erstreckt sich 25 km von Cottesloe bis Hillarys
4. Sollte ich mir Fremantle ansehen?
Knapp 30 Bahnminuten von Perth warten historische Federation-Architektur, ein altes Gefängnis und lebhafte Märkte. Must-sees: High Street mit prächtigen Fassaden, Bon-Scott-Statue, Vintage Shops
5. Was bietet Perths Street Art-Szene?
Das Projekt „Forgotten Spaces“ bringt internationale Murals in die Laneways. Hotspots: Grand Lane, Prince Lane, Wolf Lane, Northbridge. The Adnate Perth zeigt eines der höchsten Murals weltweit über 27 Etagen.
6. Wie komme ich von A nach B?
Zu Fuß und per Rad. Busse fahren kostenlos in der Free Transit Zone, Transperth DayRider-Ticket: 7 Dollar.
7. Welche Hotels empfehlt ihr mir?
Alex Hotel: Boutique-Charme und Rooftop Terrace
The Adnate Perth: Street Art und kleiner Pool
8. Wie komme ich am besten nach Perth?
Singapore Airlines bietet schnelle Verbindungen via Singapur (18–20 Stunden).
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