Ein exzentrisches SPAquarium unter Wasser, feinste Küche und subtiler Boho-Style mit maldivischem Touch prägen die kleine Luxusinsel im Nord-Malé-Atoll. Unser Tipp: In der Nebensaison buchen! Hier der ausführliche Test-Bericht
Der abgedroschene und überbeanspruchte Begriff Trauminsel klingt in Divehi, der Landessprache der Malediven, weniger klischeehaft und weniger sperrig als der ursprüngliche Name Nakachchafushi Fushi: Huvafen Fushi. Und Huvafen Fushi sorgt bei seiner Eröffnung 2004 mit dem weltweit ersten Unterwasser-Spa für Schlagzeilen.

Das Erlebnis ist auch 22 Jahre später immer noch einzigartig. Erst geht es auf einem Steg gut 80 Meter weit aufs Meer hinaus, dann durch mehrere Bungalows, unter denen die Brandung klatscht und gurgelt. Schließlich führt eine steile Treppe acht Meter in die Tiefe. Dann steht man im Treatment-Raum, der komplett von hohen Panoramascheiben gefasst ist. Alles in blau-grünes Licht getaucht.

Während Therapeutin Sunam aus Bhutan ihre Daumen mit unerwarteter Kraft in die Faszienknoten an Nacken und Schultern bohrt, starre ich auf Dutzende Doktor- und Anglerfische. Und die glotzen wie der eine oder andere grotesk aussehende Nashornfisch unbeeindruckt zurück.

Die großen Panoramascheiben rund um die beiden Treatmentbereiche des Unterwasser-Spa und den großen Relaxbereich zeigen, was acht Meter unter dem Wasserspiegel los ist. Ab und an zieht gewiss auch einer der Riffhaie vorbei, die am langen Hausriff der kleinen Insel heimisch sind und jeden Tag Patrouille schwimmen.
Huvafen Fushi auf einen Blick
Durch die Lage der Insel wenige Kilometer vom Rand des Nord-Malé-Atolls ist das Wasser etwas „kühler“ und strömungsreicher als üblich. Das fördert Artenvielfalt und Farbenpracht des langen Hausriffs.
Zwischen dem Überwasser-Restaurant Salt und dem Überwasser-Gym warten über 500 Meter buntes Schnorchelvergnügen, inklusive Karettschildkröten und Riffhaien. Es gibt sichere Zugänge auch bei Ebbe, sie sind mit roten Bojen markiert, so dass auch bebauchte Schnorchler bei Ebbe nicht auf Grund laufen.

Zu sehen sind am Hausriff Papageifische, alle Arten von Doktor-, Schmetterlings- und Anemonenfische, Nashornfische, Titan-, Picasso- und Clown-Drückerfische, Süßlippfische und Füsiliere, Napoleon-Lippfische sowie Kaiser- und Flötenfische.

Huvafen Fushi ist angenehm kompakt, fast klein. Und sehr grün. Der zentrale Bereich wirkt eher wie ein maledivischer Dorfplatz. Er umfasst die Strandbar Umbar und das Strandlokal Fogliani‘s.
Dort bohrt man zum Lunch die Zehen in den Sand und wird beim Schlemmen von listigen, immer hungrigen Graureihern auf Armlänge geradezu suggestiv (wirf einen Krümel rüber!) beäugt.
Haben die Reiher Durst, nehmen sie ein paar Schlucke aus dem wunderschönen, mit 25 Metern Länge durchaus sportlich beschwimmbaren Horizon Pool. Daneben liegt das Restaurant Celsius am Wasser und unter hohen Bäumen die große Bibliothek, die in naher Zukunft dem Gym weichen muss. Alles krönt ein wunderschöner, alter Banyan Tree mit weitem Schattenwurf.

Besonders cool ist das Sole-Floating-Becken am Ende einer kleinen Mole. Der hohe Gehalt an Salz, gewonnen aus der Meerwasserentsalzunganlage der Insel, lässt einen fast wie im Toten Meer treiben.

Wie sind Wine & Dine auf Huvafen Fushi?
Besonders gut sind in den Insel-Restaurants die Gerichte mit frischem Rifffisch oder Tuna, roh als Ceviche (wahlweise mit Chili, Zitrone oder Kokosnuss sowie Pico de Gallo, Avocado), Sashimi oder Tataki, aber auch gebraten als Catch of the Day oder als Tempura. Selten habe ich besseren Fisch gegessen als auf Huvafen Fushi, Huvafen Sushi gewissermaßen.

Am allerbesten war der Fisch im Salt, das sich japanischer Küche mit peruanischer Note verschrieben hat. Alles wird in entspanntem Ambiente auf der Terrasse serviert, mit Blick auf die Haie im Scheinwerferlicht, die zum Glück nicht mehr gefüttert werden dürfen.

Was steht auf der Karte des Salt? Gaumenglück wie Gelbschwanzmakrele mit Jalapeño-Ponzu, eingelegten Trauben, Avocadocreme und Kaffir-Limetten-Öl. Oder Sashimi vom japanischen Unagi, vom lokalen Gelbflossen-Thunfisch und Riffisch. Extrem zart war der Black Cod (Schwarzer Kabeljau) mit Yuzu-Apfel-Selleriepüree, Baby-Pak-Choi-Tempura und Miso-Rettich-Salsa.
Dazu gibt es eine kleine Auswahl an japanischem Sake in den Qualitäten Honjozo, Junmai und Junmai Daiginjo, überraschenderweise von einer Brauerei aus Fukushima, sowie eine umfangreiche Weinkarte.

Wie wohnt man auf Huvafen Fushi?
Die von der äußersten Sandzunge bis zum Spa-Steg 420 Meter lange und maximal 150 Meter breite Insel Huvafen Fushi nebst 650 Meter langer Jetty mit über 25 Overwater Bungalows ist ausgesprochen überschaubar und harmonisch angelegt.

Wer in einem der schönen, Ende 2023 komplett renovierten Deluxe Beach Bungalows (Bild oben) wohnt, erreicht alle wichtigen Einrichtungen in maximal fünf Gehminuten. Deshalb stehen den Gästen auch keine Räder zur Verfügung, wie sie auf anderen Inseln nötig bzw. beliebt sind.

Unser Deluxe Beach Bungalow ist ein Prachtstück mit hübschem Pool und großem Holzdeck. Der Wohn- und Schlafraum ist hoch und von viel Holz geprägt. Das Bett ist groß und bequem. Dazu gibt es eine gut sortierte Espresso- und Tee-Bar und ein Bang-&-Olufsen-Soundsystem. Unfassbar viel Stauraum bieten die hohen Schränke.
Zum Meer hin gibt es ein großes, überschattetes hölzernes Sonnendeck, rechts und links viel Grün, einen Pool sowie einen Relaxbereich mit großem Sonnenschirm und zwei Deckchairs nahe der Wasserlinie. Und natürlich jede menge sangesfreudige Vögel wie das Weißbrust-Wasserhuhn.

Das große, lichtdurchflutete Bad ist mit japanischem Washlet, freistehender Wanne, Dusche und zwei Waschbecken ausgestattet. Im Freien warten eine Waterfall-Dusche und unter einer hohen Bageecha Keyo (Ravenala madagascariensis) ein zweiter kleinerer Pool nebst Daybed. Das Ganze verteilt sich auf großzügige 195 Quadratmeter Grundfläche.
Muss ich Huvafen Fushi in der Hauptsaison buchen? Nein!
Auch außerhalb der „besten“ Saison zwischen November und April kann man gut urlauben, und das gilt für alle Inselresorts der Maleediven. Unser Besuch Ende Juli fällt mitten in die Nebensaison. Diese Jahreszeit ist eigentlich geprägt vom Monsun, also von viel Regen und starken Winden. Davon ist bei unserem Besuch und schon in den Wochen davor, so das Personal, nichts zu spüren.

Erfreulicherweise haben wir sieben Tage Sonnenschein und ständig eine wunderbar kühlende Brise. An zwei Nächten fällt etwas Regen, am folgenden Tag ist die Luft dadurch klarer und kühler. Die Temperaturen schwanken zwischen 28 und 32 Grad. Bei einem Taupunkt von 25 Grad und über 85 Prozent Luftfeuchtigkeit wäre es sehr schwül, wehte nicht ständig eine muntere Brise.
Windgeschwindigkeiten von drei bis vier Beaufort (15 bis 25 Stundenkilometern) machen Frühstück, Lunch und Dinner ohne Air-Con direkt am Meer zu einem ungetrübten Vergnügen. Meist liegt die gefühlte Temperatur eben „nur“ bei 33 bis 35 Grad.

Weiterer Vorteil der Nebensaison: Die meisten Resorts sind weniger ausgelastet, zu 40 bis 60 Prozent. Das heißt, egal, was man macht, es geht ruhig und entspannt zu. Und die Preise sind bis zu 45 Prozent niedriger, im Fall Huvafen Fushi reden wir von 930 statt 1.500 Euro im Deluxe Beach Bungalow.
Was sieht man im Meer rund um Huvafen Fushi?
Wunderbare Unterwasser-Erlebnisse warten am Turtle Point, gut 20 Bootsminuten nordwestlich von Huvafen Fushi. Ein buntes Riff, fünf Meeresschildkröten, die sich von uns Schnorchlern in keiner Weise stören lassen und sich sogar neugierig auf zwei Meter nähern. Begleitet werden wir von einem Meeresbiologen. Organisiert werden alle Wasserausflüge vom Team des Wassersportzentrums Float.

Das bietet auch alle Arten von Padi-Tauchkursen und -zertifikaten an und vermietet Unterwasserkameras, was ein toller Service ist, weil so keiner sein iPhone in dubiosen Drybags durchs Meer schleppen muss. Außerdem im Angebot sind Fishing Kayak Touren am Rasfari Reef sowie Delfin-, Walhai-, Stachelrochen- und Manta-Ray-Safaris (Januar bis April) sowie Night Snorkeling.
Und wie ist die Situation über Wasser?
Auch die Lage am Rand des Atolls kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf den Malediven einiges in Schieflage gerät. Es wird im Nord-Malé-Atoll aktuell eine künstliche Insel nach der anderen aufgeschüttet. 300, 400 und mehr Meter lang sind diese In-vitro-Eilande. Und das in einem Land, das über 1.200 natürliche Inseln zählt!

Krasses Beispiel für diesen Trend ist das im Frühling 2025 eröffnete Centara-Resort, das aus dem familienzentrierten Mirage Lagoon und dem Grand Lagoon besteht. Eine Brücke verbindet die zwei artifiziellen Inseln mit über 620 Metern bzw. 440 Metern Länge. Der Jetty mit den Overwater-Villas fingert sich fast bis zur Kante des Atolls durchs Meer.
Die immensen Mengen an Sand, die dem Meeresboden entnommen werden, führen zu verstärkter Erosion bei den natürlichen Inseln, gestörten Strömungen und Trübungen des Wassers. Aufgewühlte Sandpartikel machen den Korallen und den ökologisch so wichtigen Seegraswiesen zu schaffen.
Egal, mit wem ich darüber vor Ort spreche, Manager, Marine-Biologen oder Marketingleute, alle finden diese Entwicklung alarmierend, sehen in ihr einen Ausverkauf des größten touristischen Kapitals der Malediven, der (noch) halbwegs intakten Unterwasserwelt mit Riffen und Strömungskanälen. Was man dagegen machen könne, frage ich. Und ernte ein Achselzucken. Nichts. Hinter der Bauwut steckt mächtig viel Kapital aus Südostasien und den Golfstaaten.

Jeder Gast könne aber im Kleinen etwas für die gesunde Natur tun, findet Ismail Nasheed, seit Mai 2025 der Resort Manager von Huvafen Fushi: „Das fängt damit an, dass man nicht auf den Korallen herumsteht oder sie berührt. Wichtig ist auch der Einsatz von Sonnenschutzmitteln ohne Oxybenzon und Octinoxat: Diese chemischen Stoffe lassen Korallen ausbleichen und sterben. Auch sollten die Sonnenschutzmittel keine Nanopartikel und Mikroplastik enthalten.“
Erfolgsformel von Huvafen Fushi
Ismails Team auf Huvafen Fushi umfasst insgesamt über 220 Menschen aus 19 Nationen. Knapp 44 Prozent sind Malediver. Die Formel des Resorts umschreibt Ismail so: „Ein subtiler Mix aus ruhigem Luxus und starkem maledivischem Touch.“
Gerade sei man dabei, eine spannende Kooperation mit einem Michelin-Sterne-Restaurant aus Großbritannien einzufädeln, verrät er: „Essen ist der wichtigste Faktor für unsere Gäste.“
Und das wird gelebt, wie man als Gast schnell merkt. Ob beim Lunch im Fogliani’s oder Frühstück im Celcius oder Dinner im Salt: Überall kommen beste Zutaten zum Einsatz, ganz klar Klasse vor Masse.

Jeder Gast bekommt einen Thakuru, einen persönlichen Butler, der nicht per Glöckchen, sondern via WhatsApp zu Hilfe gerufen werden kann. Theoretisch 24/7, aber es ist zu hoffen, dass die meisten Gäste ihrem Schutzengel die Nachtruhe lassen…
Huvafen Fushi zählt nur 46 Bungalows und Beach Houses und kommt immer mit einem dezenten Touch von hipper Bohème daher, ist Mitglied der Small Luxury Hotels of the World und das Prinzip Chill statt Thrill gilt fast immer und überall. Überraschenderweise kann man auf dieser ansonsten so dezenten Insel Jetskis mieten.

Sehr stolz ist man, zu Recht, auf die im Juni 2026 verliehene Condé Nast Traveller Triple Crown. Das ist eine der begehrtesten und prestigeträchtigsten Auszeichnungen der internationalen Hotellerie.

Als einziges Malediven-Resort hat Huvafen Fushi es geschafft, drei Awards des „Condé Nast Traveller“ abzuräumen: Hot List der besten neuen Hotels weltweit, Gold List der Redaktions-Favoriten und die Readers‘ Choice Awards.
Um den sehr hohen Standard zu halten, wird viel investiert. 2023 wurden alle Over-Water-Villen aka Ocean Bungalows, Beach Bungalows sowie drei Beach Houses umfassend renoviert. „Demnächst nehmen wir das Unterwasser-Spa in Angriff, da steht eine Renovierung an“, so der alerte Resort Manager Ismail Nasheed. Mal sehen, ob es wieder Schlagzeilen macht…
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