Nur 20 Speedboat-Minuten vom Flughafen Malé entfernt liegt ein Klassiker: das 1973 eröffnete „Baros Maldives“. Mehrfach neu- und umgebaut, immer wieder modernisiert, doch nie dem Zeitgeist geopfert. Wir haben das Resort 2013 und 2026 besucht, mit Zeitzeugen aus den Anfangsjahren gesprochen und uns über und unter Wasser umgesehen. Hier unser Reisebericht.
Die Luft ist heiß und feucht. Den Neuankömmlingen aus Europa klatscht sie wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht. Die Überfahrt im Dhoni unter Segeln vom Flughafen zur Insel zieht sich. Aber egal. Rundherum dunkles Stahlblau über tiefem Wasser, milchighelles Lichtblau über Untiefen, hartes Ultramarin über Korallenbänken und Riffen.
Die Handvoll Touristen kommt wegen Haien, Mantas und andere Rochen. Sie wollen die riesigen Walhaie sehen, Meeresschildkröten, Zackenbarsche, Drückerfische, Fledermausfische und die bis zu drei Meter langen Riesenmuränen.

Nach eineinhalb Stunden erreicht das Boot sein Ziel, die von Kokospalmen bewachsene Insel Kodhdhipparu, später in Baros umbenannt. Erwartungsvoll setzt am 3. Dezember 1973 eine Handvoll Italiener und Schweden ihre Füße in den weißen Sand.

Baros Maldives: Wie alles begann
Am Strand stehen sieben grob gemauerte Unterkünfte aus Korallenstein. Schutz vor Sonne und Monsunregen bieten windige Palmwedeldächer. Unterkunft und Vollverpflegung kosten 12,50 Dollar pro Nacht und Kopf. Und keiner der Macher der Insel, die Gebrüder Maniku, hat „irgendeine Ahnung vom Tourismus“, wie mir einer von ihnen vierzig Jahre später im Gespräch lachend gesteht.
Jedes der sieben Häuser auf „Baros“ hat vier Zimmer. Die Metallbetten stammen von alten Frachtern, die Türen aus Schiffswracks. Kein Ventilator. Kein Telefon. Kein Strom. Kein fließendes Wasser. Für jedes Zimmer ein Eimer.

Mehr als ein Jahr vor Baros hatten mit Kurumba und Bandos (inklusive der ersten Tauchschule des Landes) die ersten Hotels der Malediven eröffnet. Der ursprüngliche Name der Insel Bandos war Vihamanafushi. Zu zungenbrecherisch, fanden die umtriebigen Brüder, und tauften das Eiland mit dreißig improvisierten Zimmern auf Kurumba, was in der Landessprache Dhivehi so viel wie Kokospalme bedeutet.

„Das war alles, das musste reichen. Wir hatten ja nichts“, so Dr. Ibrahim Umar Maniku aka „Doctor“, den ich 2013 auf Baros treffe. Er studierte 1962 bis 1972 in Leipzig und arbeitete als Anästhesiologe zunächst in Halle und nach seiner Rückkehr auf die Malediven 1982 am Male Central Hospital, dem er mit Spenden zu einer modernen Ausrüstung verhalf.
Dr. Manikus Deutschlandliebe verdanken die Gäste noch heute die Brezeln am Frühstücksbüffet und die gekühlten Refreshment Rolls, die mit 4711 Echt Kölnisch Wasser getränkt sind.
Dieser Signature-Duft von Baros begleitet, so Shazeel, Executive Assistant Manager und seit zwanzig Jahren auf der Insel tätig, manche Gäste schon seit zwanzig und mehr Jahren. Baros hat eine treue Fangemeinde: „Knapp 30 Prozent unserer Gäste sind Wiederholer, um die dreißig Gästepaare waren schon 30-mal bei uns.“

Baros Maldives: Was sind die Stärken?
Das liegt sicher auch daran, dass sich Baros Maldives zwar stets für Neuerungen offen zeigt – so wurde auf der Insel die erste Osmose-Trinkwasseraufbereitungsanlage der Malediven eröffnet –, aber keinesfalls kurzfristigen Trends und präpotenten Luxus-Attributen hinterherrennt.

Bis 2004 war Baros ein dezidiertes Taucherresort weit weg von Luxus und Design. Doch „Dr“ Maniku hatte anderes im Sinn und verwandelte die DNA des Resorts. Er ließ das ikonische Lighthouse sowie Overwater-Villen bauen und die Beach Villas komplett neu und größer errichten.

Vieles hat sich geändert auf Baros Maldives, nur die Sails Bar unter 70 Jahre alten, majestätischen Palmen ist ein Fels in der Zeitgeistbrandung und kommt, zwar spürbar vergrößert, weitgehend so daher wie in den 1980ern, mit einem Hauch von Colonial Chic.

Großes Plus der Insel ist seit Jahrzehnten das überdurchschnittlich artenreiche Hausriff. Nur 20 Bootsminuten vom neuen Flughafen Malé sieht man beim Schnorcheln Karettschildkröten und Grüne Meeresschildkröten, Haie, Rochen und Fledermausfische sowie zwei Wracks für Taucher auf dem Meeresgrund.

Hinter dem Strand, versteckt unter dichter Flora, und auf Stelzen im Wasser, stehen 75 Villen. Alle wurden 2020 grundlegend modernisiert. Dazu kommen das offene Restaurants Lime am Wasser und neben dem Pool. Dort bekommt man zum Büffet- und À-la-carte-Frühstück wunderbaren Espresso und Cappuccino aus der Siebträgermaschine.

Daneben thront das markante, zeltartige Lighthouse über dem Wasser: Mit Terrasse fürs Fine Dining und, eine Etage weiter oben, mit Bar für schöne Sundowner-Momente. Das dritte Restaurant ist der Cayenne Grill, wo man zum Seafood-Dinner ebenfalls Riffhaie im Wasser beobachten kann.

Baros Maldives: Wer kommt wie hierher?
Der moderne, von der Saudi Binladen Group errichtete Flughafen ging Mitte 2025 in Betrieb. Ein blitzblanker, supermoderner Bau, der allen internationalen Standards genügt und mit 800 Millionen Dollar das größte Investment der Malediven ist.
Der neue Flughafen mit zwölf Airbridges, sechs Abfluggates und fast fünfzig Check-in-Countern hat eine unfassbare Kapazität von 7,5 Millionen Passagieren: Das ist dreimal so viel wie das Land im Jahr 2025 an Touristen zählte. Von den 2,25 Millionen Touristen waren Chinesen (ca. 305.000) und Russen (ca. 255.000) die wichtigsten Gästegruppen, danach kommen Briten (181.000) und Deutsche (160.000).
Auch bei meinem Besuch sind gut zwei Drittel der Gäste Russen. Sie erreichen die Malediven mit Direktflügen ab Moskau oder mit Turkish Airlines via Istanbul und ohne Visum, können hier ohne jede Sanktion Urlaub machen. Entsprechend hoch ist beim Frühstück die Zahl von Damen jeden Alters mit grotesken Duck lips…

Baros Maldives: Hinter den Kulissen
Spannend ist die Tour hinter den Hochglanz-Kulissen. Tuan, der Chefingenieur der Insel, kommt aus Sri Lanka, hat aber malaysische Wurzeln. Er führt mich zuerst in den Raum mit den drei Generatoren, die nicht nur Strom, sondern auch eine mörderische Hitze und infernalischen Lärm produzieren. Und sie haben einen enormen Durst: Das zeigt der gut zehn Meter hohe Riesentank mit über 40.000 Litern Diesel.
„Die nächste Mammutaufgabe, die vor uns liegt, ist, vom Diesel unabhängiger zu werden und mehr und mehr Strom über Photovoltaik zu gewinnen, das ist auf dieser kleinen Insel aber eine Herausforderung“, so Tuan.
Alle Systeme des Mini-Kraftwerks sind redundant angelegt, auch bei Ausfall eines Systems liefert die Anlage weiterhin Strom für die Küche, die Klimaanlagen in den 75 Villen sowie für Wasser- und Abwasseraufbereitung.

Fast völlig lautlos dagegen geht es in der Halle mit Umkehrosmose-Anlage zu, die pro Tag aus dem salzigen Grundwasser mittels einer relativ unspektakulär wirkenden Maschinerie über 100 Kubikmeter Süßwasser gewinnt. Das entspricht einem Pool von zehn Metern Länge, fünf Metern Breite und zwei Metern Tiefe.

Getrunken wird das so gewonnene Wasser aber nicht. Weil der Aufwand für eine inseleigene Abfüllanlage und die nötige hygienische Aufbereitung und Mineralisierung hoch wäre, erzählt Tuan, kommt das Trinkwasser als Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen von der Malé Aerated Water Company in der Hauptstadt, ebenfalls im Besitz der Hoteleigner.
Plastikflaschen haben auf „Baros“ wie auf vielen anderen Resortinseln zum Glück schon länger ausgedient.

Die Sache mit dem Plastik
Womit wir bei einer weiteren „Segnung“ der Moderne wären, Plastik. Allein in der Greater Malé Area fallen jeden Monat 75 Tonnen Plastikmüll an, meist in Form von Flaschen. Im Rahmen des Waste Management Act hat die Regierung beschlossen, dass am 1. Juni 2028 ein Verkaufsverbot für Plastikwasserflaschen bis zu einem Liter in Kraft tritt. Import und Herstellung solcher Flaschen sind bereits ab 1. Dezember 2027 verboten.
Eine wichtige Rolle spielt die nationale NGO Maldives Ocean Plastics Alliance (MOPA), die mit mehr als 150 Insel-Resorts kooperiert, um leere PET-Plastikflaschen, soweit sie nicht vermeidbar sind, systematisch einzusammeln und zu recyceln respektive in einer modernen Müllverbrennungsanlage zu entsorgen.
Auch auf Baros werden Abfälle akribisch sortiert. Kartonagen werden gepresst und gebündelt nach Indien verschifft. „Plastikmüll wird verbrannt oder fürs Recycling exportiert“, so Tuan. Auch Glas wird getrennt entsorgt.
Täglich fallen zudem auf Baros 100 Kubikmeter Abwasser an, das ebenfalls vor Ort gereinigt und als Gießwasser für das viele Grün verwendet wird. So werde die wertvolle Süßwasserlinse unter der Insel geschont. Auf das Ableiten unzureichend gereinigter Abwässer ins Meer, erzählt Tuan im Schatten des 400.000 Liter Süßwasser fassenden Riesentanks, stehen auf den Malediven drakonische Strafen.
44 Männer und Frauen arbeiten unter der Leitung des Ingenieurs in der großen Wäscherei, halten als Elektriker, Mechaniker, Schreiner und Klempner alle Systeme am Laufen, Möbel und Technik in Schuss.
Insgesamt beschäftigt Baros Maldives 260 Menschen aus fast zwanzig Nationen, die sich mit Waren- und Treibstofflagern, Wassertanks und Kläranlagen, Müllsortierstation, großem Futsal-Platz, Kantine und Café und einer Gärtnerei das knappe Inselinnere teilen.

So kommt ihr auf Baros Maldives unter
Die knapp 200 Quadratmeter große Baros Suite bietet direkten Strandzugang, einen sechs Meter langen Pool mit Whirlpoolfunktion, offenes Badezimmer unter Bäumen mit Rainfall-Dusche, Holzdeck mit Essbereich, Liegestühle sowie einen strohgedeckten Pavillon mit Schaukelsofa. Im großzügigen Schlafzimmer stehen ein Kingsize-Bett, eine Kaffee- und Teestation und ein Schreibtisch, im Vorraum warten Couch und Leseecke sowie ein großer Bildschirm.

Die Baros Pool Villas (Foto oben) sind 134 Quadratmeter groß, haben einen privaten, knapp vier Meter langen Pool, Veranda und Strandzugang mit Sonnenliegen.

Die 126 Quadratmeter großen Wasser-Pool-Villen liegen über der Lagune. Von der Veranda mit Daybed und dem 6,6 mal 3,6 Meter großen Pool führt eine Treppe direkt ins Meer und zum Hausriff.
Teakholzböden, hochwertige Möbel und feine Bettwäsche sowie eine Mini-Bibliothek ergänzen das Angebot. Den Gästen auf „Baros Maldives“ steht während des gesamten Aufenthalts via Whatsapp ein Host zur Verfügung.
Neben der mit 30 Prozent sehr hohen Quote an Repeatern belegt auch Baros‘ Wall of Fame, wie sehr die Gäste die Qualität von Service, Unterkünften sowie der Gastronomie schätzen. So wurde Baros bei den Travel + Leisure World’s Best Awards 2026 als Nr. 2 Resort weltweit und Nr. 1 Resort in Asien ausgezeichnet.
2025 wurde Baros, unter anderem, von den World Travel Awards zum Indian Ocean’s Leading Water Villa Resort gekürt und erhielt den British Airways Holidays Customer Excellence Award 2025.

Preisbeispiel für August und September, also Nebensaison: Sieben Nächte pro Person mit HP ab 3.850 Euro.
Genaue Preise und mehr Infos zu den Unterkunftskategorien auf baros.com
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