Toronto ist das ganze Jahr eine Reise wert. Anfang September liegt aber ein besonders goldener Schimmer über der Metropole: Zehn Tage lang feiern beim Toronto International Filmfestival Stars gemeinsam mit dem Publikum
„Toronto is fucking fantastic!“ Der britische Schauspieler Idris Elba („Hijack“) schreit seine Meinung zu Toronto so laut ins Mikrofon, dass Kate Winslet neben ihm erst zusammenzuckt, dann in die Hände klatscht und glucksend lacht – was wiederum im tosenden Gebrüll der Menge untergeht. Die tobt und freut sich.
„Sag’ ich doch schon immer“, ruft eine junge Frau mit Dreadlocks im Publikum und erntet ebenfalls Applaus. Anfang September sind solche Gefühlsausbrüche von Promis auf kanadischem Pflaster keine Seltenheit, sondern eher die Normalität. Denn sobald das jährliche Toronto International Film Festival (TIFF) beginnt, steht die Stadt regelrecht Kopf. Alles dreht sich um Movies, Celebrities und Parties.

Am 10. 9. ist es wieder soweit. Dann geht das TIFF bis zum 20. 9. in seine 51te Ausgabe. Was 1976 noch klein unter dem Titel „Festival of Festivals“ begann, gilt heute als wichtigste Bühne der Branche in Nordamerika. „Wir schreiben nicht nur Festivalgeschichte, wir kuratieren mit unserer Auswahl auch den Filmkanon“, sagt der CEO des Festivals, Cameron Bailey, in seiner Eröffnungsrede 2025.
Torontos Filmfest besticht durch Nahbarkeit
Toronto mag vielleicht der gediegene Old-World-Charme europäischer Filmfestvorreiter wie Cannes oder Venedig fehlen: Dafür besticht das TIFF mit gekonnter Lässigkeit. „Das hier ist ein Fest für die Filmemacher. Es ist herrlich persönlich, man kommt leicht mit den Kollegen und dem Publikum ins Gespräch. Alle sind entspannt. Ich vergleiche es mit Yoga, alles fließt ganz natürlich“, erklärte die deutsche Regisseurin Maggie Peren („Stellungswechsel“) vor Jahren nach der gefeierten Weltpremiere von „Die Farbe des Ozeans“.

Auch das deutsche Kino spielt in Kanada eine große Rolle. „TIFF ist das wichtigste Tor zur nordamerikanischen Filmbranche und eine Startrampe – für Filme, Regisseure und Karrieren“, sagt Simone Baumann, die Geschäftsführerin von German Films, die 2026 mit 18 deutschen Produktionen und Ko-Produktionen anreist.
Auch deutsche Filme sind in Toronto dabei
„Vor allem ist das Festival ein wichtiger Oscar-Barometer“, fügt Baumann an. Das haben internationale Produktionen wie einst „Slumdog Millionär“ oder später „12 Years a Slave“ und „La La Land“ längst bewiesen.
Viele deutsche Filme starteten hier ebenfalls glorreiche Kampagnen, wie 2022 Edward Bergers Kriegsdrama „Im Westen nichts Neues“. Es wurde von den Zuschauern mit Standing Ovations gefeiert – und im Folgejahr mit mehreren Oscars ausgezeichnet, darunter in der Kategorie Bester Internationaler Film.

In diesem Jahr wird Tony Vahls „KRUX“ als deutscher Beitrag zum ersten Mal gezeigt. Auch die Serie „Breitscheidplatz 19/12“ wird mit Spannung erwartet. Sie handelt über die Ermittlungen – und deren Mängel – in den Monaten vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016. Man hofft auf große Begeisterung, ausverkauft sind die zahlreichen riesigen Säle ohnehin.
Beim TIFF ist das Publikum die Jury
Beim TIFF ist der Applaus des Publikums wichtiger als bei anderen Festivals, denn die Zuschauer haben hier die Fäden in der Hand: Anstelle einer Jury wählen sie den besten Film. Und so gibt es an den zehn Tagen eigentlich nur einen Themenstrang in der Stadt: Movies. „Wie viele hast du gesehen? Wie viele schaust du noch? Zeig mir deine Liste mit Promis, die du getroffen hast.“

Die Nähe zu den Zuschauern macht sich überall bemerkbar: Man kann entlang der King Street Penelope Cruz auf dem roten Teppich bestaunen oder im TIFF Lightbox-Gebäude an einer gutgelaunten Helen Mirren vorbeigehen.
Die Stardichte ist in Toronto ungewöhnlich hoch
Daniel Craig, George Clooney, Julianne Moore, Scarlett Johansson – und und und. Sie alle kommen immer wieder begeistert zum TIFF. Elba ist also bei Weitem nicht der einzige, der Toronto liebt und aus dem die Begeisterung für diese Stadt laut herausbricht. „I am in love with this city“, rief auch schon Julia Roberts vor Journalisten.

Und wer am Abend unterwegs ist: So mancher Star gönnt sich in den lässigen Bars der Stadt gern mal einen Absacker. Restaurants und Hotels zelebrieren den Ansturm der Glamour-Crowd mit vielen Highlights und filmtauglichen Specials. Allen voran, das Shangri-La, in dem auch dieses Jahr viele Promis während des TIFF wohnen.
Der Filmwahn zieht sich durch Bars und Restaurants
„Stay – Sip – Savour – Screen“ ist das Motto, mit dem das Shangri-La Toronto als offizieller Hospitality-Partner des TIFF die 51. Edition feiert. Vom offiziellen, nur auf Einladung zugänglichen Pre-Opening-Cocktail des TIFF bis hin zu einer einen Monat lang angebotenen Auswahl filminspirierter Erlebnisse wird in allen Bereichen des Luxushotels der rote Teppich ausgerollt, so auch im Bad mit dem „Soak in Cinema“-Service, einem maßgeschneiderten Bademenü. Hinzu kommen limitierte „TIFF 2026 Signature Cocktails“ und der neue „Chef’s Cut: Director’s Edition“ für Genuss-Fans.

Mein Highlight: der Afternoon Tea. Zu den leinwandreifen herzhaften Kreationen gehören „Popcorn-ette“, eine verspielte Popcorn-Parfait-Cornette mit Ahorn-Gastrique und gepufftem Sorghum; „Movie Play Tartare“ mit Flank-Tatar, Hotdog-Dressing und knusprigem Senf von Kozlik’s.
Filmreife Happen zur Feier des TIFF
Das „Tostada Sandwich“ mit geräucherter Cheddar-Crema, Tomatengel und Nacho-Gemüse zergeht auf der Zunge und an das „Umami Showstopper Tartare“ mit gebeizter Dorade, eingelegtem Ingwer und Dashi-Gelee werde ich noch lange denken.



Die schicke Lobby Lounge and Bar wird ihrem Ruf als angesagter Treffpunkt gerecht und präsentiert eine limitierte Auswahl an „TIFF 2026 Signature Cocktails“. Ich fand „24 Karrot“ und „35mm“ spektakulär: Letzterer spielt mit Popcorn-infundiertem Redbreast 12 Year, Enzianlikör, süßem Wermut und Angostura Bitters herrlich nostalgisch auf die Kinokultur an.
Luxus pur: Movie Night mit eigenem Butler
„Movie Nights“ startet während des TIFF und wird auch über die Festivalsaison hinaus angeboten. Dabei verwandelt sich der intime Cinema Room des Shangri-La Toronto in ein privates Kinoerlebnis, inklusive Butler-Service und kuratierten Menüs bei eigener Filmauswahl.


Doch der Glanz der Filmwelt bleibt längst nicht hinter den Hoteltüren. Er strahlt auf die ganze Stadt ab und bringt Torontonians sogar etwas bei, das den notorisch bescheidenen Kanadiern lange eher fremd war: sich selbst richtig gut zu finden.
Das TIFF bringt Glamour in „Canada’s Downtown“
Endlich, endlich, scheinen die Hochglanz-Ego-Booster aus Hollywood auch bei den Einheimischen zu fruchten: Nach langen Jahren des Tiefstapelns ist man offen und lautstark stolz auf die Stadt.

Gerade in Zeiten, in denen die USA als eher schwieriger Nachbar empfunden wird, blüht ein neues Bewusstsein für alles Kanadische auf. In den Supermärkten kleben überall „Made in Canada“-Sticker, man reist lieber in die eigenen Territorien als in die Vereinigten Staaten und möchte Besuchern die Heimat von ihrer schönsten, kreativsten und stylischten Seite zeigen.
Denn Toronto ist trendy, nicht nur zu Zeiten des Filmfests. Die Touristenströme erreichten in den vergangenen Jahren beständig neue Höchstzahlen, die Stadt poliert und wienert das Image als „Canada’s Downtown“ beflissen auf.
Toronto ist lägst ein Tourismus-Magnet
Will heißen: in „Kanadas Innenstadt“ trifft sich die Welt, alle sind herzlich willkommen. Das Konzept geht auf. Internationale Besucher sind begeistert vom offenen und unprätentiös-coolen Image, das die Stadt am riesigen Lake Ontario – nein, nicht Lake America – ausstrahlt.

Lange haben die Torontonians sehnsüchtig auf New Yorks shabby-chic geschielt, die quirligen Neighborhoods, Künstlergegenden und Ausgehviertel dort. Um irgendwann festzustellen: „Das können wir auch.“ Vielleicht in einem kleineren, dafür aber angenehmeren Rahmen. „Wir entwickeln ein neues, eigenes Selbstbewusstsein“, findet Modedesignerin Hayley Elsaesser.
Aufpoliertes Selbstbewusstsein
Galeriekonglomerate wie das 401 Richmond Building sind Treffpunkte für den stetig wachsenden Künstlernachwuchs. Musik-Trendsetter wie die Alternative-Band „The Beaches“ nutzen den – wie Elsaesser es nennt – „herrlich unbelasteten kreativen Nährboden“ der Stadt für frische Ideen. „Aber“, so die Designerin, „wir bleiben uns dabei treu. Und schön kanadisch.“

West Queen West: Hipster-Town
Übersetzt heißt das: nett, freundlich, weltoffen. Toronto ist mit seinen vielfältigen Stadtteilen ein Patchwork aus unterschiedlichen Vierteln, die von einem kollektiven Spaß-an-Kunst-und-Kulinarik-Ethos und einer lebendigen Straßenkultur miteinander verbunden sind. „Jeder Stadtteil hat seinen ganz eigenen Charakter. Man wird schnell Teil seiner Neighborhood“, sagt Steve, in England aufgewachsen und ein bekennender West-Queen-Westler, während er die Milch für meine „Latte to go“ aufschäumt.

Mich hat die Verbundenheit von der Steve spricht ebenfalls ins Viertel West Queen West verschlagen. Vor gut 20 Jahren habe ich hier ein paar Monate gewohnt und mich, obwohl die Gegend damals noch etwas heruntergekommen und weder von schicken Barber-Shops noch coolen Cafés beseelt war, wohl gefühlt. Nun bin ich zurück und baff, was sich in zwei Jahrzehnten auf der Queen Street getan hat.
Torontos Nightlife: Immer was los!
Ein hipper Laden hier, ein trendy Restaurant dort. Zwischendrin Cafés, Boutiquen, Musik-Schuppen, Cocktail-Bars und eine beeindruckende Ansammlung modisch gewagter, international und multikulturell aussehender Leute. Es steppt, gelinde und kanadisch gesagt, ganz schön der Elch.

Toronto ist erwachsen geworden. Die vor Jahren noch schläfrige Großstadt hat sich zur Weltmetropole gemausert und ist mit über drei Millionen Einwohnern nicht nur auf dem Papier Kanadas größte Metropole, sondern fühlt sich auch so an.
Eine der Nebenwirkungen: Auch die Preise drehen auf. Die Gentrifizierung hat die meisten Viertel erreicht. Die Mieten steigen in schwindelnde Höhen, fast so schnell wie die Hochhaustürme, die im Turbo-Tempo aus dem Boden sprießen. Kaum ein Parkplatz scheint vor dem Bauboom sicher zu sein.
Auch ein Titel Torontos: „Hollywood des Nordens“
Kräne, Bagger und gläserne Skyscraper bestimmen das Stadtbild von Downtown. Kein Wunder, dass die Straßen im Financial District gern für Wall-Street-Einstellungen oder Serien wie „Suits“ gefilmt werden. Dem Titel „Hollywood des Nordens“ kann die Stadt mittlerweile auf vielen Ebenen gerecht werden.

Perfekt ist Toronto nicht, dafür befindet sich der Boom zu sehr in der Mache. Da gibt auch mal stilistische Fehlgriffe wie das neue Rathaus, ein sandbraunes Monstrum am Nathan Phillips Square, das dankenswerterweise durch das bunt leuchtende Toronto-Logo optisch in den Hintergrund gerückt wurde. Auch der blinkende Reklamewahn am nahen Dundas Square, eine Möchtegernmischung aus Piccadilly Circle und Times Square, ist eher nervtötend als beeindruckend.
Hippie-Viertel Kensington Market
Trotzdem: Einen Identitätsverlust stelle ich nicht fest. Jede Neighborhood konnte ihren eigenen Charme bewahren. Kensington Market ist nach wie vor das schräge Hippie-Viertel mit knallbunten Häuserreihen und prall gefüllten Vintage-Läden. The Danforth kultiviert Bio-, Vegan- und Yoga-Lifestyle, während sich King Street West abends zur Ausgeh- und Theaterzone verwandelt.

Einheimische wie Immigranten sind besonders stolz darauf, das multikulturelle Aushängeschild zu kultivieren, ein Schmelztiegel der Kulturen und Ethnien zu sein. Am deutlichsten zeigt sich die Vielfalt beim Essen: Man kann sich quasi einmal um die Welt futtern.

Aber auch optisch ist das Stadtbild bunt und international. Sikhs, Muslime oder tibetische Buddhisten tragen ihre Glaubensrichtung stolz durch Kleidung oder Kopfbedeckungen zur Schau und mischen sich problemlos unter Mitbürger afrikanischer, karibischer, südamerikanischer und europäischer Herkunft.
Gourmet-Shoppen: St. Lawrence Market
Im ältesten Teil der Stadt rund um die Front Street im Osten ist der historische St. Lawrence Market unangefochtener Dreh- und Angelpunkt: Hinter den riesigen gusseisernen Toren wartet ein kunterbunter Gemüse-, Obst- und Gourmet-Markt. Seit 1803 verkaufen Ontarios Bauern in dem markanten Backsteingebäude ihre Waren – nirgendwo sonst in der Stadt gibt es ein ähnliches Überangebot an Käse-, Wurst-, Back- und Fischspezialitäten.

Ab an den Strand
Wohin kann ich mit der fetten Beute dem Markttrubel entfliehen? „Geh doch runter an den Strand“, empfiehlt mir Robert Biancolin, Chef der „Carousel Bakery“, während er ein unglaublich gut duftendes Paemeal-Bacon-Sandwich mit einer Schicht hausgemachtem Pfeffersenf überzieht. Mit dem Daumen weist der rundliche Herr im weißen Kittel, der seit drei Jahrzehnten im Markt Lunch-Snacks kreiert, hinter sich.

Sugar Beach ist nur einer der vielen Beach-Spots der Torontonians. Östlich und westlich der Stadt verwandelt sich im Sommer das Seeufer tatsächlich in ein kleines Strandparadies – im Osten genannt „the Beaches“.
Alte Schnapsbrennerei: Distillery District
Hier und auf den vorgelagerten Toronto Islands, einer Inselgruppe, die man in zehn Minuten per Fähre erreicht, erholen sich die Kanadier mit den füßen im warmen Sand vom rauen Winter – über den ab November jeder und ab April keiner mehr spricht. Nicht, dass das Leben in Toronto bei minus 30 Grad stillstehen würde!

Mit Weihnachtsmarkt und „Light festival“ im Distillery District, einem alten Areal mit Schnapsbrennerei, das in liebevoller Renovierungsarbeit zu einem der hübschesten Viertel umgebaut wurde, unzähligen Winter-Installationen, Lagerfeuerfesten und Eislaufbahnen spielt sich viel draußen ab. Tief im Herzen bleibt jeder Kanadier eben doch ein Naturkind, Großstadt-Coolness hin oder her. Gut, dass in Toronto das Grüne stets nah und greifbar ist.

Das kann auch einer der mehr als 1.500 Parks sein, wie Trinity Bellwoods, High Park und Edwards Gardens, oder auch die rauen Felsen der Scarbourough Bluffs, eine Felsformation, die an Irland erinnert, sich nach Urlaub anfühlt und dabei nur 30 Autominuten von der Innenstadt entfernt ist.
Kunst und Kultur ist in Toronto überall
Trendsetter tingeln abends in eng anliegenden T-shirts mit „Home is Toronto“-Slogans durch das momentan angesagteste Viertel „the Junction“. Hier hat Ende 2018 das Museum of Contemporary Art (MOca) eröffnet. In den Graffiti-Hintergassen übertrumpfen sich die kunstvoll verschnörkelten City-Logos an Größe und Aufwand.

Und in Gedanken klopft mindestens jeder Zweite Torontos Lieblingssohn, dem Rapper Drake, dankend auf die Schultern. Seit Drake 2015 über „The 6ix“ sang – eine Anspielung auf die sechs Bezirke – hat Toronto ein neues, cooles Label. „Drake get’s this city“, sagt Sharmaine, dunkel gelockte Barista im „Dark Horse Café“, und zeigt mir stolz ihr „I Heart the 6ix“-Tattoo am Oberarm, der bleibende Beweis ihrer tiefen Liebe zu Toronto.
Fotos: © Destination Toronto
Lust auf noch mehr Kanada? Die Provinz Saskatchewan ist ein Geheimtipp. Auch die Northwest Territories sind spektakulär unberührt

TORONTO
INFO TORONTO
Anreise
Air Canada fliegt täglich in knapp 9 Stunden nonstopp von Frankfurt nach Toronto
Schöner Schlafen
Shangri-La Toronto

Das Shangri-La Toronto liegt ideal im Herzen der Innenstadt von Toronto, nur wenige Schritte von der TIFF Lightbox, dem Hauptveranstaltungsort, entfernt und in fußläufiger Distanz zu wichtigen Festival-Locations und Sehenswürdigkeiten der Metropole. shangri-la.com
The Drake Hotel
Mehr als ein Boutique Hotel: Das Drake ist eine Mischung aus Kunst-Hub, Nigthlife und kulinarischem Treff. thedrake.ca
Hotel X
Schicker Neuzugang mit Blick auf die Skyline und den Ontariosee. Die Rooftopbar wird abends zum Szenetreff, der lange Pool ist perfekt zum Entspannen. hotelxtoronto.com
