Lugano, das ist Schweizer Akkuratesse gemischt mit italienischem Flair. Palmen vor steil aufragenden Bergen, ein fjordähnlicher See, an dessen Ufern sich Palazzi mit moderner Architektur, urige Grotti mit Belle-Epoque-Hotels, Weingüter mit Casinos mischen. Hier kommen unsere persönlichen Top 10 Tipps für ein Wochenende.
Lugano, die mit Abstand größte Stadt im italienischsprachigen Kanton Tessin, hat ca. 68.000 Einwohner. Sie liegt am Luganersee, oder Lago di Lugano, ihre Wohngebiete ziehen sich auf drei Seiten an bewaldete Berghänge hinauf.

1. Monte San Salvatore: Einen Überblick verschaffen
Vom Stadtteil Paradiso aus führt seit dem Jahr 1890 eine Standseilbahn auf den 912 Meter hohen Monte San Salvatore. Wem die Seilbahn zu wenig Action ist, der wandert ab Lugano Paradiso oder Lugano Pazallo bis zum Gipfel. Mutigere gurten sich an, um über einen Klettersteig bis ganz nach oben auf den „Zuckerhut“ Luganos zu gelangen – schwindelerregende, aber spektakuläre Aussicht auf die Stadt inklusive.

Die spektakuläre Aussicht hat aber auch, wer einfach von der Bergstation der Standseilbahn über Treppen noch ein paar Minuten zum Gipfel geht. Wäre da nicht die üppig grüne Vegetation, könnte man meinen, über einem Fjord in Norwegen zu stehen, so steil fallen die Berghänge zum Luganersee ab, so weit schlängelt sich das 48,9 km2 große Gewässer glazialen Ursprungs in Nord-Süd-Richtung bis nach Italien, so nah schmiegen sich Häuser an die Hänge.
Zikaden und Segelboote
Segelboote treiben gemächlich über Tiefblau, Motorboote hinterlassen für ein paar Momente weiße Striche, Dampfer laufen Dörfer entlang des Sees an oder kehren an den Kai von Lugano zurück. Ein warmer Südwind weht Zikadengesang auf den Gipfel, zwei Frauen unterhalten sich auf einer Bank über den letzten Besuch bei McDonald´s, ein Paar steht eng umschlungen an der Balustrade. Im Schatten einer Zypresse verschläft ein Hund den Nachmittag. montesansalvatore.ch
2. Restaurant Locanda dal Bigatt – Tafeln mit Ausblick
Das Restaurant und Hotel Locanda dal Bigatt ist ein Non-Profit-Unternehmen, das Langzeitarbeitslosen oder Menschen ohne Berufsausbildung die Möglichkeit bietet, angeleitet von Profis aus Gastronomie und Hotelwesen Arbeitserfahrung zu sammeln oder eine Ausbildung abzuschließen.

Das Bigatt befindet sich inmitten von 9.000 Hektar Gemüsegarten, Olivenhain und Weinberg in einem restaurierten, historischen Gebäude aus dem 12. Jahrhundert an den Hängen des Monte San Salvatore.
Auf dem Tisch Gemüse aus eigenem Anbau
Die Terrasse des Restaurants öffnet sich nach Westen und bietet einen beeindruckenden Blick über Lugano. Auf die Teller zaubert das Team von Küchenchef Daniele Giordano Saisonales aus dem eigenen Bioanbau oder von befreundeten Produzenten aus der Region.

Da gibt es ein Zucchini-Apfel-Amuse-Gueule, eine Vorspeise mit Galgantzweig, Zucchiniblüten und herrlich nach Sonne schmeckenden Tomaten oder ein Tomatenrisotto mit Stracciatella. Das hauseigene Bio-Olivenöl steht bereit, um mit knusprig gebackenem Brot aufgesaugt zu werden, und wem nach Alkohol ist, der greift zum Beispiel zum Syrah der Azienda Agricola Bianchi.
Licht über Lugano
Über dem Panna Cotta mit Kaffee geht die Sonne hinter den Bergen unter und die Lichter von Lugano an. Der See leuchtet blaugrün, die Häuser der Stadt steuern pastelliges Pink, Rot und Ocker bei, unter den rot-weiß gestreiften Sonnenschirmen auf der Terrasse der Locanda dal Bigatt wird das Leben genossen. hotelbigatt.com

3. Sambi: Typisch Tessin
Um ins hübsche Dorf Arogno zu gelangen, fährt man 40 Minuten mit Bahn und Bus zunächst am Luganersee entlang und schließlich eine Serpentinenstraße ins Val Mara hinauf. Kurz vor Arogno an den Ausläufern des Monte Sighignola liegt die Azienda Agricola Bianchi am Hang.

Luftlinie ist Lugano nur sechs Kilometer entfernt, aber die Azienda scheint wie ein eigener Biokosmos zu sein. Das liegt nicht nur an den Gänsen, Schafen und Hühnern, die über die Latifundien streifen, sondern auch an den prächtig blühenden Holunderbüschen, den von Insekten umschwirrten Weinstöcken, den knorrigen Oliven- und den üppig mit Früchten behängten Feigenbäumen.
Seit 1998 biozertifiziert
Die Brüder Gabriele und Martino Bianchi setzen auf Nachhaltigkeit und führen gemeinsam den seit 1998 biozertifizierten Hof, auf dem sie neben Wein, Grappa und Honig auch das Getränk „Sambi“ produzieren.

Der „Sambi“, in der Familie „sambuchino” genannt, geht auf ein Rezept ihrer Mutter zurück und wurde früher im Mendrisiotto, einem Tessiner Bezirk, traditionell auf vielen Höfen hergestellt und „Champagner der Armen“ genannt.

Für den „Sambi“ werden im Mai und Juni Holunderblüten gesammelt und in Kessel mit Wasser, Zucker und Zitronensaft gefüllt. Anschließend zieht das fruchtige Gemisch zwei Wochen lang, bevor es gefiltert und zur Fermentierung in Flaschen abgefüllt wird.
Degustation im Weinberg
Und warum wir das alles erzählen?

Weil man den „Sambi“ eben nicht nur in den angesagtesten Bars von Lugano trinken kann, sondern die Brüder Bianchi regelmäßig eine Hofführung ermöglichen, die am Ende in einer Degustation ausklingt, bei der nicht nur die Bioweine und der süffig-erfrischende „Sambi“ verkostet werden, sondern alle anderen kulinarischen Spezialitäten des Hofes sowie anderer Produzenten des Mendrisiotto auf den Tisch unter der Pergola oder mitten im Weinberg kommen. Das schmeckt nicht nur himmlisch, sondern findet in einem unverwechselbaren Ambiente mit Blick ins Val Mara statt. bianchi.bio
4. LAC Lugano Arte e Cultura: Kunst und Kultur satt
Wer in Lugano weilt, kommt nicht am LAC (Lugano Arte e Cultura), dem multidisziplinären Kunst- und Kulturhub der Stadt, vorbei.

Das direkt am Luganersee gelegene und im Jahr 2015 fertiggestellte LAC verfügt über einen Theater- und Konzertsaal, in dem täglich Veranstaltungen stattfinden, und mit dem MASI (Museo d’arte della Svizzera italiana) ein großartiges Kunstmuseum.
MASI im LAC: Kunst aus aller Welt
DasMASI beherbergt u.a. umfangreiche Sammlungen von KünstlerInnen aus dem Tessin, stellt aber gleichzeitig internationale, zeitgenössische Kunstwerke aus. Egal, ob man sich eine Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Kaari Upson ansieht, zum ersten Mal auf südkoreanische Videokunst trifft oder in die imaginären Bildwelten der Schweizerin Louisa Gagliardi eintaucht, das MASI bietet nicht nur Raum für Kunst jeder Art, sondern auch freie Blicke aus Panoramafenstern auf Berge und Luganersee.

Bevor man sich wieder der Stadt hingibt, sollte man eine Kleinigkeit im lichten Luini 6 Bistrot essen oder zumindest etwas trinken, bei gutem Wetter natürlich auf der Terrasse der Piazza Luini, wo sich abends Einheimische mit Touristen zum Apéro mischen.
Tipp: Am ersten Donnerstag im Monat gilt freier Eintritt zwischen 18 und 20 Uhr! luganolac.ch
5. Glanz und Gloria: Kathedrale San Lorenzo
Man muss weder besonders christlich noch besonders gläubig sein, um einen Stopp an der Kathedrale San Lorenzo einzulegen. Einfach mit der 1886 gebauten Standseilbahn Sassellina in knapp zwei Minuten von Luganos Altstadt hinauf zum Bahnhof gondeln und dann eine Handvoll Stufen bergab steigen.

Der Ausblick vom Vorplatz der Kathedrale über Hausdächer und Gärten über den Luganersee und dessen steiles Ostufer ist mehr als ein Foto wert. Die Kathedrale selbst ist ein Hort opulenter Fresken und barocker Pracht, besonders beeindruckend dann, wenn die Sonne Goldornamente, Friese und Statuen strahlen lässt.
Die Bahn pendelt täglich von fünf Uhr morgens bis 0.15 Uhr. Kosten: CHF 1.30 pro Fahrt
6. Kunst am Berg: Monte Brè und Dorf Brè
Noch einen atemberaubenden Blick auf den Luganersee bietet der Monte Brè, Luganos Hausberg im Osten der Stadt, auch er erreichbar mit einer Standseilbahn von Lugano Cassarate aus.

An klaren Tagen scheinen die Gipfel der Walliser Alpen zum Greifen nah, aber auch bei trübem oder sogar schlechtem Wetter ist das Seepanorama beeindruckend, manchmal gar dramatisch.
Wandernd nach Lugano
Wer genug geguckt hat, nimmt einen der Wanderwege zurück in die Stadt zum Beispiel über den kleinen Ort Brè. Einige Höhenmeter führt der einfache Weg unter hohen Laubbäumen bergab und an weidenden Schafen vorbei, dann liegen schon die Häuser von Brè am Hang über dem Luganersee vor einem.

Brè selbst überrascht nicht nur mit dem Bergdorfcharme unverputzter Steinhäuser, Kopfsteinpflaster und verwitterten Holztoren, sondern auch mit Kunstinstallationen Schweizer und internationaler KünstlerInnen, die auf einem ausgeschilderten Rundweg durch das Dorf zu besichtigen sind. Die Kombi aus alter, traditioneller Bausubstanz und moderner Kunst ist absolut sehenswert.
Von Brè fährt auch ein Postbus zurück nach Lugano. Standseilbahn montebre.ch, Bergfahrt CHF 17,–
7. Grotti – Perfekt für einen Sommerabend
Nicht nur die Gegend rund um Lugano, das gesamte Tessin ist bekannt für die gastronomischen Kleinode, die „Grotti“ genannt werden. Das typische Grotti befindet sich etwas abgelegen an einem Hang, gerne schattig oder von Wald umgeben.

Vom Kühlschrank zum Lokal
Früher waren die Grotti natürliche Kühlschränke, meist Höhlen oder Keller, um Lebensmittel bei konstant niedrigen Temperaturen zu lagern. Über die Jahre wurden daraus rustikale Lokale, in denen nur einheimische Produkte zu meist herzhaften Gerichten verarbeitet und angeboten werden.

Typischerweise gibt es rohen Schinken, herzhaften Bergkäse, Polenta mit Brasato (Rinderschmorbraten), Ossobuco oder Gorgonzola. Gegessen wird oft gemeinsam an großen Tischen, und es kommt vor, dass man nur auf Italienisch bestellen kann. z.B. Grotto Morchino
8. Gandria: Ganz schön schön
Schon lange bevor das Ausflugsschiff in Gandria anlegt, springen die meisten Passagiere auf, um zu fotografieren.

Gandria ist das letzte Schweizer Dorf vor der Grenze zu Italien und eines der beliebtesten Ausflugsziele am Luganersee.

Warum, ist schnell klar: Gandria liegt eingezwängt zwischen See und Berghang: Schmale Gassen, pastellfarben gestrichene Hausfassaden, Türmchen, Erker und Eckchen, an und auf denen Blumen bunt wuchern. Dazwischen in der Sonne dösende Katzen, Glockengeläut und italienische Sprachfetzen aus Gärten. Pastageruch, Geschirrgeklapper und auf Wellen schaukelnde Boote, Stege, auf denen Menschen am Wasser sitzen.

Also unbedingt bleiben und in der Bottega di Gandria an roten Tischen speisen, Espresso aus der roten Kaffeemaschine trinken. Und ausgiebig auf den See gucken und einfach dieses herrliche Stück Erde genießen.
La Bottega di Gandria, neben dem Schiffsanleger. Es gibt auch Produkte aus dem Dorf zu kaufen, z.B. Honig, Oliven, Käse und Wein

9. Wandern auf dem Olivenweg
Wer in Gandria ist, kann entweder das Schiff zurück nach Lugano nehmen oder zu Fuß über den „Olivenweg“ in die Stadt wandern.

Der malerische Weg führt über Terrassen und Steintreppen an den Hängen des Monte Brè entlang. Olivenhaine wechseln mit Rebstöcken, Lorbeerbäumen und Zypressen. Eidechsen huschen unter Steine, Tauben flattern in Baumwipfeln, wilder Thymian duftet mit Rosmarin um die Wette.

Zwischen Segelbooten und Olivenbäumen
Immer wieder erhascht man zwischen der satten Vegetation einen Blick auf den türkis schimmernden See, etwas neidisch wird man beim Anblick privater Holzstege, an denen ein Segelboot dümpelt, oder wenn jemand in einer Hängematte über dem Wasser lümmelt. Davon abgesehen stellt sich beim Wandern auf dem Olivenweg ein dermaßen mediterranes Gefühl ein, dass man kaum glauben kann, in der Schweiz zu sein.
10. Hotel Luganodante – Urban Farming mitten in Lugano
Mitten in der Altstadt hat das exklusiv designte Hotel Luganodante einen Kräutergarten geschaffen, der nicht nur die hervorragende Küche des hoteleigenen Restaurants, sondern auch die Mixology Bar mit Biokräutern versorgt.

Wer Zeit hat, sollte sich den Kräutergarten zeigen lassen, in dem nicht nur die Hotel-Bienen von Wildblumen Nektar trinken, sondern sich auch allerhand andere Insekten und Schmetterlinge tummeln und Eidechsen zwischen Myrte, Minze und Melisse wuseln.
Gaaaanz langsam destillieren
Zurück in der Mixology Bar, werden die Kräuter vom Dach mit Schweizer Alkohol in einem Niedrigtemperaturverfahren langsam destilliert, das sorgt im Cocktail-Ergebnis für wenig Zucker- und Alkoholgehalt und ausgesprochen spannende Geschmackserlebnisse.

Vereinfacht ausgedrückt werden die vorab destillierten Drinks gerne in kleinen, bunten Trinkschalen vom Barkeeper eingeschenkt und nur mit einem Spray benetzt, das dem Cocktail noch einen zusätzlichen Geschmackskontrastkick gibt. Dann riecht der „Habanera“ sehr intensiv nach Jalapeños, und das Hirn ruft „AUFPASSEN“. Aber der Cocktail ist überhaupt nicht scharf, schmeckt eher leicht bitter, gefolgt von einer süßen Note. Vorsicht, Suchtgefahr! luganodante.com
Lust auf mehr Schweiz bekommen? Wie wäre es mit einigen Tagen Winter-Outdoor in Davos? Einem City-Trip nach Luzern, einer 3-Tages-Wanderung in Graubünden? Oder vielleicht ein Roadtrip über Schweizer Pässe und danach im Zug zum Matterhorn?
Lugano
Anreise:
Aus Deutschland am einfachsten mit der Bahn z.B. ab Basel direkt nach Lugano in 2h 58min. sbb.ch .
Ticino Ticket
Gäste, die in Hotels, Jugendherbergen und auf Campingplätzen übernachten, erhalten das „Ticino Ticket“ bei Ankunft. Mit diesem Angebot können Touristen im gesamten Tessin den öffentlichen Verkehr während ihres Aufenthalts frei nutzen und erhalten zu verschiedenen Freizeiteinrichtungen vergünstigte Eintritte. Weitere Informationen unter ticino.ch/ticket .
Übernachtung
Lugano bietet Unterkünfte in jeder Preisklasse. Das Hotel de la Paix befindet sich in guter, fussläufiger Lage zu allen Sehenswürdigkeiten und zum See.

Das Frühstücksbuffet ist opulent, die Balkone ebenso, die Zimmereinrichtung klassisch-elegant. Bei der Buchung am besten obere Stockwerke mit Seeblick angeben. SUPERIOR VIEW TOP FLOOR DZ, 31 qm ab CHF 217,–, Standard-DZ, 23 qm ab CHF 180,–, in den Wintermonaten Specials „2 für 3“ o.ä. möglich. delapaix.ch .
Informationen
Ausführliche Informationen über Aktivitäten und Destinationen allgemein im Tessin unter www.ticino.ch . Weitergehende Infos zu Stadt und Umgebung von Lugano unter luganoregion.com . Allgemeine Infos über die Schweiz auf myswitzerland.com .
